Shishas verbieten und Cannabis legalisieren?

Über Verbote, Legalisierung und Jugendschutz

Der Beschluss war einstimmig. Alle Parteien des Salzburger Landtags haben sich dafür ausgesprochen, dass der Erwerb und Konsum von E-Shishas und E-Zigaretten, Shisha- und Soex-Tabak sowie Steam-Stones und wie das ganze Zeug heißt, für Jugendliche unter 16 Jahren verboten wird. Im Landtag gab‘s schnell Einigkeit darüber, dass das Rauchen von E-Shishas und erst recht von normalen Shishas sicher nicht gesund ist. Dafür gibt es mittlerweile schon etliche wissenschaftliche Indizien und entsprechende Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Daher ein Konsumverbot bis 16 Jahre wie bei Zigaretten zu beschließen, finde ich richtig und konsequent. Für die Legalisierung von Cannabis würde sich wohl keine so große Mehrheit finden (auch wenn das der Landtag gar nicht beschließen könnte). Leider.

Obwohl es auf den ersten Blick widersprüchlich klingen mag, das eine zu verbieten und das andere zu erlauben, wäre es bei näherer Betrachtung doch nur konsequent. Das Prinzip muss sein, Gleiches gleich zu behandeln. Deswegen auch das Shisha-Rauchverbot für Jugendliche.

Böses Gras und guter Alk?

Heute habe ich die Spiegel-Online-Schlagzeile „Cannabis-Konsum: Tägliches Kiffen senkt Chancen auf Schulabschluss“ gelesen und mir gedacht, dass ich für diese Erkenntnis wohl keine Studie gebraucht hätte. Es würde auch niemand ernsthaft auf die Idee kommen zu untersuchen, ob täglicher Alkoholkonsum negative Auswirkungen auf schulische Leistungen hat. Liegt ja auch irgendwie auf der Hand. Was ich damit sagen möchte: Während das eine (Cannabis) verteufelt wird, hat das andere (Alkohol) einen fixen und unhinterfragten Platz in unserer Gesellschaft und unserem Alltag. Für Alkohol wird mit Millionenaufwand an jeder Straßenecke geworben, sehr gerne auch für die junge und jugendliche Zielgruppe. Kiffen wird mit Millionenaufwand bei Polizei und Justiz verfolgt. Rechtlich wird Cannabis im österreichischen Suchtmittelgesetz mit Kokain und Heroin gleichgesetzt. Strafmaß für den ausschließlich persönlichen Gebrauch: bis zu einem halben Jahr Gefängnis. Das halte ich dann doch für unverhältnismäßig. Es ist daher an der Zeit, die Dinge wieder in ein vernünftiges Verhältnis zu bringen.

Pragmatisch, aufgeklärt, selbstbestimmt

Die Jungen Grünen bringen es in ihrer aktuellen Legalisierungs-Kampagne auf den Punkt: Entweder Alkohol verbieten, oder Cannabis legalisieren. Die Forderungen: Cannabis legalisieren und gleichzeitig ein Werbeverbot für alle Suchtmittel einführen – also auch für Alkohol und Zigaretten. Ganz wesentlich sind zudem die Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen und entsprechende Beratungsangebote. Der „Rausch“ lässt sich eben nicht verbieten, das hat schon die Alkohol-Prohibition in den 1920er Jahren gezeigt. Und auch der aktuelle War-on-Drugs ist grandios gescheitert. Es braucht endlich mehr Pragmatismus im Umgang mit Cannabis und anderen Substanzen. Oberstes Ziel dabei muss es sein, Sucht und Substanzabhängigkeiten zu verhindern und ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Gerade dabei müssen wir bei den Jungen ansetzen, indem wir offen über „Rausch“ reden. Wenn Gefahren und Grenzen bekannt und bewusst sind, ist Kiffen kein größeres Problem als das Feierabendbier. Das hat sich mittlerweile nicht nur in Colorado und Washington herumgesprochen. Auch die renommierte New York Times und eine Gruppe von ehemaligen PolitikerInnen rund um Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan fordern eine Legalisierung weicher Drogen. Ich hoffe, sie werden gehört.

Kleiner zusätzlicher Lese-Tipp: Der Kommentar „Alkohol hui, Cannabis pfui?“ von Thomas Knapp auf neuwal.com

Bildquelle: https://www.flickr.com/photos/prensa420/11878459934 , Creative Commons
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